Clemenza, Tito! (Gnade, Titus!)

Tagebucheintrag vom 14.07.2007

Stellt euch vor: Das Mainfranken Theater zu Würzburg... ein heißer Hochsommerabend... und Mozarts „La clemenza di Tito“! Ich weiß, ich weiß! Schon das Plakat versprach Ärger und Enttäuschung. Zu dicht an Mozarts Namen stand auch der des Manfred Trojahn - als Bearbeiter. Ich lies mich trotzdem von meiner Kollegin - einer in Italien lebenden argentinischen Sopranistin - überreden. Vor der Vorstellung bat sie mich, ihr die Geschichte des Titus kurz zu erzählen. Ich sagte ihr, dass die Vorstellung auf italienisch läuft, und sie die Geschichte bitte selber 'zusammenbekommen' soll... 'Ah, so, dann ist es kein Problem' - antwortete sie in ihrem perfekten Italienisch mit diesem äußerst temperamentvoll gerrrrrrolltem „r“.

Nun, die Vorstellung begann, der nicht vorhandene Vorhang ging auf, und die Ouvertüre begann. Das Orchester spielte recht gut: präzise und transparent. Über die Inszenierung verliere ich dieses Mal lieber kein Wort, denn sie bestand aus der üblichen 'zeitgenössischen' Einfallslosigkeiten. Gleich nach der Ouvertüre wurde das Ohr des Publikums von einem ziemlich lauten und unschönem Wirrwarr attackiert, dass man so gerne als zeitgenössische Musik bezeichnet. Mir fiel blitzartig ein: Das muss ein Teil des Herrn Trojahn sein. Ich guckte ins Programm und stellte fest, dass Herr Trojahn alle (Secco) Rezitativ-Texte, so ‚neu gestaltet' hatte. Die Erklärung für diese Untat: Die Secco Rezitative hat Mozart ohnehin nicht selbst geschrieben, das war lediglich einer seiner Schüler, vermutlich nur Franz Xaver Süßmayer (der gleicher Süßmayer, der Mozarts Requiem vollendete). Es drängt sich also förmlich auf, die Rezitative zu ändern, neu zu fassen. Es ist geradezu selbstverständlich, dass Herr Manfred Trojahn im Jahre 2002 (im Jahr der Uraufführung dieser umgearbeiteten Fassung) zu Mozarts 'La clemenza die Tito' viel bessere und angemessenere Rezitative schreiben konnte, als irgend ein dahergelaufener Schüler Mozarts. Ich weiß nicht warum mir gerade jetzt Puccinis Turandot, sein Schüler Alfanno und die wenig 'segensreiche' Umarbeitung Berios einfallen...

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"Ma, non capisco niente!"

So etwas darf nicht einmal an einer Hochschule durchgehen


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